Hakahori

Weihnachtsstimmung

Obwohl ich dieses Jahr sehr gut um »Last Christmas« rumgekommen bin, will eine Weihnachtsstimmung nicht bei mir aufkommen. Das hat eher andere Gründe, die sich Ottonormalmenschen eher nicht vorstellen können.

Stellt euch vor… Ihr seid in einer jahrelangen, glücklichen Beziehung und eure Eltern wissen nichts davon. Nicht, weil ihr die Beziehung vor ihnen verheimlicht, sondern weil sie sich einen feuchten Kehricht dafür interessiert.
Man fährt mit seiner Freundin in den Urlaub, worüber sich dann nicht aktiv unterhalten wird. Man unternimmt gemeinsam Sachen, worauf nicht mal die Nachfrage kommt, wie die Partnerin denn überhaupt heißt. Zu Festen und Feierlichkeiten wird sie nicht eingeladen. Endlich zieht man in eine gemeinsame Wohnung, die erste gemeinsame. Beim Umzug wird nicht geholfen, die neue Adresse wird nicht erfragt, geschweige denn besucht.
Man ist frisch verlobt, überglücklich, erzählt es jedem und eröffnet es natürlich auch den eigenen Eltern. Statt Glückwünschen oder aufkeimendem Interesse schlägt einem als Reaktion ein desinteressierter, harter Themenwechsel entgegen.

Alles Fiktion und Utopie.
Natürlich passiert so etwas im wahren Leben nicht. Warum sollten sich Eltern für die Beziehung des eigenen Kindes nicht interessieren, nicht wahr?
Stimmt.
Jetzt ersetzt die Freundin aber mal durch einen Freund und fügt zu den Eltern noch eine Kleinigkeit wie »konservativ« hinzu. Und boom – das macht die Sache schon etwas verständlicher. Oder doch nicht?

Was ist eigentlich das Problem mit den ganzen homophoben Leuten da draußen?
Wahrscheinlich startet direkt das Kopfkino von Lack und Leder, sobald jemand mitbekommt, dass der unbekannte Gesprächspartner homosexuell ist. Klar, weil es ja immer nur um Sex geht.
Es scheint in deren Köpfen nicht genügend Fantasie vorhanden zu sein, dass man sich in einen Menschen gleichen Geschlechts verlieben kann. Denn darum geht es letztlich: um Liebe! Nicht um (Popo)Sex.

Einen entsprechenden Bogen zum Thema »Ehe für alle« will ich an dieser Stelle nicht vertiefen. Zu sehr würde ich abschweifen und mich unnötig aufregen.

Abgesehen von dem Thema Ehe lernt man mit der Zeit ein Leben in der Minderheit zu führen. Was bleibt einem auch anderes übrig? Anfangs noch versteckt, traut man sich mit der Zeit immer mehr aus seinem Schneckenhaus. Das bedeutet allerdings nicht, dass man heutzutage unbeschwert öffentlich Hand in Hand durch die Stadt gehen kann. Wohl wissend, dass man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dummen Blicken oder noch dümmeren Kommentaren ausgesetzt sein wird. Handgreiflichkeiten mal ausgenommen.

All das lernt man mit der Zeit zu akzeptieren, ein Leben in einer ungewollten, »ekelhaften« Parallelgesellschaft. Dass man aber extrem konservative Meinungen oder Homophobie in der eigenen Familie erleben muss, setzt dem Ganzen eine traurige Krone auf.

Willkommen in meiner Welt.

Ich hatte die leise Hoffnung, dass es Zeit braucht, ehe die Message »Liebe ist Liebe« auch in den konservativsten Dickkopf eingesickert ist. Dass es viel wichtiger ist, dass der eigene Sohn glücklich ist – egal mit Mann oder Frau. Aber das war wohl ein Irrglaube.

Weihnachten werde ich dieses Jahr das erste Mal in meinem Leben nicht mit meinen Eltern verbringen. Kein Gänsebraten, keine Bescherung unterm immer gleich geschmückten Tannenbaum.
Schätzt eure Familie also glücklich, wenn ihr Toleranz, Respekt und Akzeptanz erfahrt. Denn das scheint nicht die Norm zu sein.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten.



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